„Da herrschte noch Ordnung beim TSV“
Die Geschichte der Tischtennisabteilung,
humoristisch bearbeitet von Helmut Schmidt.
Ich erzähle heut einmal alte Geschichten,
über Tischtennis möchte ich ganz kurz hier berichten,
ich weiß noch genau wie es damals begann,
so kurz nach dem Krieg, da fing man hier an.
Das Spiel kam praktisch hier her über Nacht,
aus Gefangenschaft hat man es mitgebracht.
Sogleich fand die Jugend Gefallen daran,
und so nach und nach erlernte mans dann.
Und weil bei den Spielen auch immer was los,
war überall die Begeisterung groß.
Alle kamen zum Training, ob Mann oder Frau,
da herrschte noch Ordnung beim TSV.
Bälle gab es nur einen, wo man heut drüber lacht,
den hat jemand aus Gefangenschaft mitgebracht.
Und wo nur ein Ball, da gabs nur ein Spiel,
bis die Lehne von Lange ihrm Sofa drauf fiel.
Das wir damals fast weinten, das war wohl kein Wunder,
der Ball war nämlich so platt wie ne Flunder.
Zum Aufgeben war das noch lange kein Grund,
mit heißem Wasser war er bald wieder rund.
Vier zusammen gestellte Tische, das war doch kein Spiel,
ne richtige Platte, das war unser Ziel.
Geld hatten wir keins, und weil uns keiner was borgt,
haben wir uns die Bretter bei Nacht dann besorgt.
Woher sie gekommen, weiß man nicht so genau,
Da herrschte noch Ordnung beim TSV.
Große Schwierigkeiten waren zu überwinden,
ein Spiellokal mussten wir erst einmal finden.
Wir spielten überall, wo, das war ganz egal,
in der Halle, bei Lange und bei Borns auf dem Saal.
Bei Lange gab es zuweilen Gekicher,
vor Überraschungen war man da niemals ganz sicher.
Weil die Herta an unseren Spielplan nicht denkt,
hat sie den ganzen Saal voller Wäsche gehängt.
Es warn ganz tolle Sachen die man dort sah,
Nachthemden, Schlüpfer und so manchen BH.
Doch dann gabs Bewegung, weil die Zeit ja so drängt,
gemeinsam wurde Alles dann abgehängt.
Um fünf vor acht war die Wäsche verschwunden,
und das Spiel hat dann pünktlich noch stattgefunden.
Wer damals gewann, weiß ich nicht mehr genau,
aber es herrschte noch Ordnung beim TSV.
Eines, das hab ich bis heut nicht vergessen,
nach dem Spiel haben wir oftmals zusammen gesessen.
Die Kameradschaft war es, die ich heute noch lobe,
gefeiert haben wir dann auch mal auf der Hobe.
Und im Winter gab es auf jeden Fall,
in der Turnhalle ganz großen Karneval.
Da gings aber rund, mit Alaaf und Helau,
Da herrschte noch Ordnung beim TSV.
Mit Pokalspielen hat man dann damals begonnen,
den Pokal, den ham wir gleich fünfmal gewonnen,
doch für die Anderen kam´s noch viel schlimmer,
denn Kreismeister waren wir eigentlich immer.
Nach all diesen Siegen, wie könnt´s anders sein,
ging die Feier bis spät in die Nacht hinein.
Vorschriftsmäßig besoffen, ging´s dann heimwärts zur Frau,
da herrschte noch Ordnung beim TSV.
Sehr viele Hindernisse haben wir genommen,
doch wie sollten wir zu den Spielorten kommen,
Auto hatten wir keins, Geld mussten wir sparen,
und so hat uns oft Junghans Gerhard gefahren.
Schon lange ist´s her, es war in den Jahren,
als Köllmanns Gerd und der Winter noch Halbstarke
waren.
Drum brauchten wir auch die zwei nicht zu schonen,
es warn ja ohnehin nur halbe Portionen.
Und weil nun das Auto innen zu klein,
mussten die zwei in den Kofferraum rein.
Schon warn wir komplett, sechse warn´s ganz genau,
da herrschte noch Ordnung beim TSV.
Heute glaubt man nun es liefe ganz glatt,
weil ja jeder ein eigenes Auto hat,
doch auch verschiedene Hobbys und andere Ziele,
und darum fehlen mitunter sehr viele.
Als Spielführer haste doch stets deine Last,
bis du endlich sechs Leute zusammen hast.
Ich will niemand beleidigen und niemand verletzen,
zwei Mann sind da, viere musst du ersetzen.
Doch letzten Endes, und das ist nicht gelogen,
werden alle Spiele irgendwie durchgezogen.
Wenn ich die Frauen mal unter die Lupe nehme,
im letzten Jahr da gab es Probleme.
Ja Ja, bei den Frauen, da klappst nicht so recht,
es ist in der Tat wohl das schwache Geschlecht.
Doch nach einer Krise und längerem Bangen,
hat man sich nun wieder gefangen.
Drum sorgt stets Alle, und das merkt euch genau,
für Kameradschaft und Ordnung beim TSV.
Die Chronik: